Discoveries: Lucasonic

June 12th, 2013 by d.b.  - 

artoporta ist die Plattform aller Stile und Genres, auch wenn die klassische Musik derzeit stark dominiert. Vielfalt wird wachsen und uns alle bereichern. Schön, dass auch jetzt schon Perlen wie “Lucasonic” zu entdecken sind. Wir sprachen mit Band­lea­der Lukas Fröhlich über das Arbeiten in der Band, die Be­deu­tung der eigenen CD und musikalische Kooperationen.

Lucasonic Liva @ Bar Tausend, Berlin

Die Beteiligten von Lucasonic sind in vielfältigen Projekten aktiv und stark eingespannt – wie hält man unter diesen Beding­ungen eine Band zusammen?

Wir sind mit Überzeugung und großem Enthusiasmus dabei. Die Frontline besteht aus Lars, Philip und mir – also drei Bläser und Sänger – wir haben uns verpflichtet, der Sache Priorität zu geben und andere Gigs dafür abzusa­gen. Bei der Rhythmusgruppe gibt es die Stammbesetzung, wenn die nicht zur Verfügung steht springen aber auch andere Musiker ein. Da greifen wir auf ein Netzwerk von Musikern zurück, die aber nach sechs Jahren quasi auch schon zur Band gehören.

 

Dein Name steckt im Bandnamen, Du trittst klar als Bandleader auf. Was heißt das für Eure Arbeitsweise? Ist das Songwriting ein kol­la­bo­ra­tiver Prozess, oder liegt es ganz in Deiner Hand?

Das liegt tatsächlich in meiner Hand, wir spielen ausschließlich Stücke von mir. Vorletztes Jahr haben wir die Struktur ein wenig geändert, so dass wir die Band zu dritt betreiben als GbR mit besagter Frontline. Seitdem gehen wir durchaus auch nochmals gemeinsam über die Texte. Und weil die an­deren auch singen haben sie quasi ein Vetorecht, auf allen Ebenen. Manche Stücke ändern wir so nochmals gehörig, andere fliegen auch raus. Aber das Rohmaterial und die Musik sind komplett von mir.

 

Das heißt, wenn Du Stücke entwickelst, dann sind die bereits komplett gesetzt und sehr detailliert ausgearbeitet bevor Du damit in den Proberaum gehst?

In der Regel sind die in der Tat schon sehr ausformuliert. Ich produziere viele Sachen vor, mache z.B. schonmal eine Aufnahme mit programmier­tem Schlagzeug und Bass, spiele die Bläser selber drauf – damit alle einen Eindruck haben. Da ich die Musiker mittlerweile natürlich sehr gut kenne, reicht es aber häufig auch, z.B. der Rhythmusgruppe nur ein Riff mitzu­bringen und ein paar rudimentäre Notizen – und dann spielt jeder sein Ding. Das hängt auch sehr von der Stilistik des jeweiligen Songs ab.

 Exklusiv zwei komplette Songs vom neuen Album “Gib mir den Rest: Atemlos & Los. Jetzt genießen.

Los
Atemlos

 

Ihr präsentiert gerade Euer drittes Album “Gib Mir Den Rest“. Welche Rolle spielt die eigene CD aus Deiner Sicht heutzutage für den Erfolg einer Band?

Ich glaube, sie ist nach wie vor sehr wichtig, weil sie Visitenkarte ist. Und Andenken an ein Konzert. CD-Verkäufe laufen heute, von wenigen Top­stars abgesehen, nicht mehr über Plattenläden, sondern im independent Bereich in erster Linie über Verkäufe nach Live-Konzerten. Wir hatten da häufig eine sehr hohe Quote bei der letzten Tour, wo bis zu einem Drittel der Leute nach dem Konzert die CD mitgenommen haben. Was ganz über­wältigend ist, eigentlich. Weil die aus der Begeisterung auf dem Kon­zert heraus gesagt haben: “Mensch, da will ich mir etwas von mitnehmen!”. Über den Vertrieb hingegen läuft heutzutage fast gar nichts mehr. Es sei denn, man ist ganz stark im Radio vertreten. Aber selbst das verliert ja in Zeiten von Spotify, Simfy und Co. zunehmend an Bedeutung.

 

Verlosung: 3x das neue Album GIB MIR DEN REST zu gewinnen!

 

Wie habt Ihr das neue Album produziert? Habt Ihr noch ganz klassisch ein Label mit an Bord?

Nein, gar nicht. Das Album kommt raus bei CD Baby, das ist eine ameri­kanische Plattform für Indies, wo man die Rechte komplett selbst behält. Wir haben es natürlich auch verschickt an ein paar Labels, die auch durch­aus interessiert waren – aber dann eben doch nicht ganz die Markt­revo­lution von 2013 in dem Album gesehen haben. Insofern also wieder eine komplette Eigenproduktion. Über CD Baby sind wir natürlich trotz­dem in den großen Katalogen vertreten, von Amazon bis iTunes und vieles mehr.

 

Ihr spielt häufig mit musikalischen Gästen. Wie entstehen diese Kooperationen? Geht Ihr gezielt auf Leute zu, oder sind das eher zufällige Begegnungen?

In einem Jahr haben wir es zum Motto gemacht dass wir immer andere Gäste gefeatured haben in einer Konzertreihe. Das waren meist Bekannte aus anderen Bands, teilweise auch aus anderen musikalischen Kontexten, einmal zum Beispiel mit einer Opernsängerin. Also eine experi­men­tier­freudige Reihe, die allerdings beendet ist. Das zweite Album entstand mit Virginia Lillye, einer tollen australischen Sängerin. Die hatte ich auf einem anderen Konzert in Berlin kennengelernt, wo wir zusammen auftraten. Beim Feiern im Anschluss kam es dann zur Musikerlüge Nummer eins: “Lass uns mal was zusammen machen!”. Aber die Zusammenarbeit hat tatsächlich stattgefunden, und wir waren beide ganz begeistert. Daraus ist das Album “Bitchy” entstanden als “Lucasonic featuring Virginia Lillye”. Dazu gab es dann auch eine Clubtour mit acht Konzerten in Australien.

Dirk Zöllner feat. Lucasonic // 13. Juni 2013
// Kesselhaus in Der Kulturbrauerei Berlin

Zum Abschluss: was sind Eure nächsten Projekte, was plant Ihr für die Zukunft?

Im Juni spielen wir – auch wieder in einer Konstellation, die sich über ein gemeinsames Konzert ergeben hat: wir waren letzes Jahr bei den Jazztagen Dresden als Headliner der Funk & Soul Night und wurden gebeten, dort Dirk Zöllner als Special Guest zu featuren, den wir natürlich vom Hören­sagen und von der Musik her kannten, aber nicht persönlich. Von dieser Zusammenarbeit war er total begeistert, und wir genau so von ihm. Und so hat er uns gleich eingeladen zu seinem Café Größenwahn zu seinem Geburts­tag am 13. Juni in der Kulturbrauerei. Da werden wir nun von ihm gefeatured. Da hat sich also über eine Buchung von außen eine ganz tolle Kooperation ergeben.

 

Das Interview führte Daniel Barth.

 

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