Discoveries: Ildiko Ludwig

February 21st, 2013 - 

Ildiko Ludwig by Adam Berry © Adam Berry

 

Aus deiner Vita spricht Begeisterung für die Kammermusik. Was macht für Dich den Reiz am Ensemblespiel aus?

Ich bin nicht gern allein auf der Bühne, ich fühle mich dann verloren. Mir macht es viel mehr Spaß mit anderen zu agieren und auf sie zu reagieren. Gleichzeitig ist es für mich eine besondere Herausforderung, allein für meine Stimme verantwortlich zu sein und damit ein tragender Part in der Partitur. Das ist ein großer Unterschied zum Orchesterspiel.

 

Die historische Aufführungspraxis ist Schwerpunkt Deiner Arbeit. Was waren Impulse für diese Entwicklung?

Erste Impulse bekam ich von Stephan Mai. Er hat mit den Studenten in Weimar jedes Semester über 3 Wochenenden ein Programm erarbeitet und dann ein Konzert gegeben. Auch wenn wir moderne Instrumente nutzten, hat er uns wichtige Grundlagen der historischen Aufführungspraxis vermittelt. Ohne es zu merken, hat er damals das Feuer in mir entfacht.

Nachdem ich im Frühjahr 2011 beschloss, freischaffend zu arbeiten, habe ich mir endlich Zeit genommen, die Barockmusik “richtig” anzugehen. Ich hab mir also eine Barockbratsche geliehen und bin zum Kurs bei Christian Gooses vom FBO nach Freiburg gefahren.

 

Wie kamst Du 2011 zum European Union Baroque Orchestra – und was hat dieses Projekt für dich bedeutet?

Ich bin damals direkt von Freiburg zum Audition Course vom EUBO gefahren. D.h. ich hatte noch den Kinnhalter und die Stütze dran, da ich erstmal mit den Darmsaiten und dem Barockbogen ordentlich umgehen lernen wollte. Doch schon auf dem Weg erfuhr ich, dass ich es mit den Engländern zu tun kriegen werde, die würden das nicht gern sehen. So war es dann auch. Also bin ich ins kalte Wasser gesprungen und hab alles abgemacht. Es war eh eine komplett neue Welt für mich und Zeit zum Nachdenken gab es nicht.

Als ich die Nachricht bekam, dass ich genommen wurde, hab ich Freuden­tränen geweint, weil ich es nicht fassen konnte. Das war die Bestätigung für mich, endlich auf dem richtigen Weg zu sein. Das halbe Jahr auf Tour war ein hervorragendes Training. Stilistisch war es natürlich prägend, da ich relativ jungfräulich war und eine Reihe von 8-9 Konzerten pro Programm festigt ein Repertoire natürlich für ewig. Darüber hinaus: der Tutor des Course ist jetzt mein Professor, der Cembalist aus dem Orchester ist jetzt mein Freund. Mit ihm und zwei weiteren Freunden aus dem EUBO haben wir ein Ensemble gegründet, das Debüt Konzert war im Oktober in London.

 

2012 warst Du Stipendiatin des Orchestra of the Age of Enlightenment London. Was zeichnet dieses Stipendium aus?

Nach EUBO, was quasi die Brücke zwischen Studium und Beruf darstellt, war dieses Scheme eine hervorragende Möglichkeit, Einblick in die Arbeit eines professionellen historisch informierten Orchesters zu erlangen. Das Program dauert ein Jahr und beginnt mit einem Workshop. Der ist als Einführung sehr interessant, da Orchestermitglieder ihre Arbeit vorstellen. In 3 Tagen werden dann Stücke unter diversen Aspekten probiert, zudem erfährt man etwas über die Education-Programme und Körperarbeit.

Jeder Teilnehmer darf in drei Projekten im Jahr mitmachen, als Streicher spielt man auch in zweien davon im Konzert. Zudem bekommt man Unterricht bei einem Musiker seiner Wahl. Ich fand das Scheme sehr lohnend, da es bei drei Projekten gerade genug Zeit gibt, das Orchester kennenzulernen und sich bekannt zu machen – aber nicht die Gefahr besteht sich zu sehr daran zu gewöhnen und heimisch zu fühlen, wie es bei Akademien hierzulande schnell passieren kann.

 

Was sind Deine weiteren bevorstehenden Projekte?

Bis es Mitte März mit dem Solistenensemble Kaleidoskop nach Korea geht, habe ich nach langem mal wieder ein bisschen frei. Diese Zeit werde ich bei meiner Familie verbringen und ganz in Ruhe üben und wieder eigene (Kammermusik-)Projekte planen. Beim Pendeln zwischen Berlin, Köln und London bleibt eben doch was auf der Strecke. Aber es ist eine spannende Zeit, in der ich die für mich besten Möglichkeiten heraus siebe.

 

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